Fieberthermometer im Vergleich - Ohr, Stirn oder Kontakt?

Das klassische Thermometer benötigt den direkten Kontakt zum Körper - und misst dabei unübertroffen genau. Stirn- und Ohrthermometer hingegen erkennen Infrarot-Strahlung: Die Messung wird dadurch schneller und angenehmer.

Kontakt oder Infrarot - für Erwachsene ist die Wahl reine Geschmackssache. Bei kleinen Kinder kann es jedoch sinnvoll sein, beide Gerätetypen bereit zu halten. Die günstigen Kontaktthermometer bieten Sicherheit, wenn bei hohem Fieber jedes Zehntelgrad zählt. Für die rasche Kontrolle sind Infrarot-Thermometer jedoch die bessere Wahl: Sie schonen die Nerven von Kind und Eltern.

Kontaktthermometer - einfach und verlässlich

Prinzip

Das klassische Kontaktthermometer hat eine Spitze aus Metall, die ursprünglich mit einer Quecksilbersäule in Verbindung stand. Bei Kontakt mit dem warmen Körper dehnt sich die Säule aus und zeigt die Temperatur auf einer Skala an.

Kontaktthermometer - altmodisch, aber verlässlich

Quecksilber ist in der EU jedoch mittlerweile verboten, als Ersatz werden oft Legierungen des Metalls Gallium eingesetzt. Auch die Glashülle ist fast schon Vergangenheit - die Verletzungsgefahr nach einem Bruch ist zu hoch.

Heute werden vor allem Digitalthermometer verwendet. Sie sind bruchsicher, lassen sich leicht ablesen und führen die Messung um ein Vielfaches schneller durch. Die Metallspitze als Messfühler bleibt erhalten, aber die Temperatur wird nun über die Messung des elektrischen Widerstands bestimmt.

Vorteile und Nachteile

Kontaktthermometer messen sehr genau, der Messwert darf nur einen Zehntelgrad von der tatsächlichen Temperatur abweichen. Die Handhabung ist einfach, die Zahl der Fehlerquellen ist gering. Zudem sind Kontaktthermometer sehr günstig.

Allerdings wird das Einführen des Messfühlers in den Körper - vor allem bei rektaler Messung - meist als unangenehm empfunden. Dazu kommt, dass die Messzeit mit bis zu 30 Sekunden eher lang ist.

Messarten

Kontaktthermometer können auf drei Weisen verwendet werden

  • Rektal: Das Thermometer wird in den After eingeführt. Gilt als die genaueste Messmethode, bei der zudem Fehler in der Handhabung unwahrscheinlich sind.
  • Sublingual: Die Messung erfolgt im Mund. Der Messfühler liegt unter der Zunge, möglichst weit hinten in den Wärmetaschen rechts und links der Zungenwurzel. Ist der Messfühler zu weit vorne, können die gemessenen Werte zu niedrig sein. Für Kleinkinder ist diese Methode nicht geeignet, da die Verletzungsgefahr zu groß ist.
  • Axial: Das Thermometer wird unter die Achselhöhlen geklemmt. Diese Messmethode ist sehr ungenau, von ihr wird heute dringend abgeraten

Ohrthermometer - Übung erforderlich

Prinzip

Jeder warme Körper sendet Infrarot-Strahlen aus, die direkt auf seine Temperatur schließen lassen. Ohrthermometer messen die Infrarot-Strahlung am Trommelfell: Das liegt nah am Blutkreislauf des Gehirns, und die Temperatur ähnelt der im Körperkern.

Ohrthermometer - schnell und praktisch

Im Vergleich mit Kontaktthermometern ist die Messung allerdings merklich ungenauer. Laut Norm darf sie bis zu drei Zehntelgrade von der realen Körpertemperatur abweichen.

Vorteile und Nachteile

Die Messung mit Ohrthermometer erfolgt sehr schnell, innerhalb weniger Sekunden ist die Temperatur ermittelt. Das Verfahren selber wird nicht als unangenehm empfunden.

Allerdings verlangt die korrekte Handhabung eine gewisse Übung, so dass sich besonders anfangs leicht Fehler einschleichen können. Für Säuglinge unter sechs Monaten ist die Methode ungeeignet, da der Gehörgang zu eng ist. Auch bei Entzündungen des Innenohrs ist die Messung unzuverlässig. Gute Ohrthermometer können recht teuer werden.

Stirnthermometer - auch ohne Kontakt

Prinzip

Stirnthermometer basieren ebenfalls auf der Infrarotstrahlung. Die Messung erfolgt auf der Oberfläche der Haut, deren Temperatur allerdings stark von der Umgebung beeinflusst wird. Die Gerät analysieren daher sowohl die Haut als auch die Umgebung - der endgültige Messwert berechnet sich aus beiden Informationen.

Stirnthermometer - schnell und praktisch

Manche Stirnthermometer werden direkt auf die Haut aufgesetzt, andere funktionieren jedoch auch aus kurzer Entfernung. Die Messung der Infrarotstrahlung liefert aber nur bedingt präzise Werte - bis zu drei Zehntelgrade Abweichung sind erlaubt.

Vorteile und Nachteile

Eine Messung benötigt nur wenige Sekunden. Im Vergleich zum Ohrthermometer ist die Handhabung einfacher. Da manche Geräte keinen Kontakt benötigen, kann die Körpertemperatur auch während des Schlafs ermittelt werden.

Für eine verlässliche Messung muss die Gebrauchsanweisung gründlich studiert werden. Stirnthermometer sind am wenigstens erprobt, Ärzte verwenden sie fast gar nicht. Die Geräte sind eher teuer.

Schnullerthermometer - nicht empfehlenswert

Speziell für Säuglinge gibt es Thermometer, die in einen Schnuller eingebaut sind. In der Theorie ist dies eine unkomplizierte Messmethode, doch die Praxis sieht meist anders aus: Schnullerthermometer müssen mindestens eine Minute im - fest geschlossenen! - Mund verbleiben, um verlässliche Werte zu liefern. Zudem erfolgt die Messung im vorderen Mundbereich, wo die Temperatur deutlich niedriger ist.

In unabhängigen Tests schneiden Schnullerthermometer deutlich schlechter ab als die Alternativen. Von einer Anwendung wird daher meist abgeraten.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Stiftung Warentest, Nicht alle verlässlich, Ausgabe 1/2005 (Download)
  • Stiftung Warentest, Schnell und zuverlässig, Ausgabe 9/2008 (Download)
  • ÖKO-TEST, Heißes Eisen, Ausgabe 1/2016 (Link)