Fieber - Medizin & Fitness Fieber - Medizin & Fitness
Fieber - Medizin & Fitness

Fieber im Alter - der Körper reagiert langsamer

Ältere Menschen leiden selten an Fieber. Das hat auch Nachteile: Infektionen bleiben länger verborgen und können einer ernsten Gefahr werden

Junge Menschen entwickeln meist Fieber, wenn sie von Bakterien oder Viren befallen werden. Im Alter wird dies seltener, bei knapp einem Drittel der Erkrankten bleibt die Körpertemperatur normal1. Eine Ursache liegt in den schwindenden Abwehrkräften: Das Immunsystem reagiert träge und produziert weniger Botenstoffe, die die Körpertemperatur in die Höhe treiben.

Fieber bei älteren Menschen

Das Alter beeinträchtigt noch weitere Körperfunktionen. So wird der Sollwert für die Temperatur im Gehirn eingestellt, das über Muskelzittern und verengte Blutgefäße das Fieber herbeiführen kann. Auch diese Prozesse laufen langsamer ab, und die Körpertemperatur steigt nur geringfügig an.

Im Alter sind die gebräuchlichen Richtwerte für Fieber daher nur eingeschränkt hilfreich. In den USA gelten schon seit längerem Richtlinien, die speziell an ältere Menschen angepasst wurden. Für die Diagnose von Fieber muss eines von drei Kriterien erfüllt sein2:

  • einmalige Messung einer oralen Temperatur von mehr als 37,8 °C
  • mehrmalige Messungen von oralen Temperaturen über 37,2 °C oder rektalen Temperaturen über 37,5 °C
  • Erhöhung der Basaltemperatur um 1,1 °C

Zusätzlich sollten Ärzte den Allgemeinzustand des Patienten berücksichtigen3: Bei schwacher körperlicher Verfassung kann die Fieberschwelle deutlich tiefer liegen.

Da Fieber bei älteren Menschen seltener diagnostiziert wird, bleiben auch Infektionen länger unbemerkt. Wenn sich die Körpertemperatur schließlich doch erhöht, ist oft rasches Handeln angesagt: Hartnäckige Erreger haben sich stark vermehrt und werden zu einer akuten Bedrohung. Fieber ist ab einem Alter von 65-70 Jahren meist ein ernstes Warnzeichen, das einen Besuch beim Arzt sinnvoll erscheinen lässt3.

Die fehlenden Fiebersymptome beeinträchtigen auch die Arbeit des Arztes. Eine erhöhte Körpertemperatur ist oft ein wichtiger Anhaltspunkt bei der Diagnose von Krankheiten, und deren Ausbleiben kann den Arzt in die Irre leiten. Da sich im Alter zusätzlich noch andere Symptome verändern - auch der Hustenstoß ist vermindert - bleiben viele Krankheiten häufig unentdeckt. Eine Infektion der Harnwege wird dann als Inkontinenz missgedeutet, eine gefährliche Lungenentzündung kann sich als allgemeine Verwirrtheit darstellen4.

im Alter sollten daher Patient und Arzt gleichermaßen wachsam sein. Fieber ist eine wichtige Waffe des Immunsystems - wird sie stumpf, haben Infektionen ein leichteres Spiel.

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise - sie dürfen nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung dienen. Einen Arztbesuch können sie auf keinen Fall ersetzen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • 1 Autor, Infektionen bei Älteren: Fieber fehlt häufig, Pharmazeutische Zeitung, Datum (Link)
  • 2 High et al., Clinical Practice Guideline for the Evaluation of Fever and Infection in Older Adult Residents, Clinical Infectious Diseases, Januar 2009 (Link)
  • 3 E. Villiger, Fieber bei alten Menschen und bei Pflegeheim-PatientInnen, Der Informierte Arzt, Juli 2011 (Link)
  • 4 Nau et al., Infektionen im Alter - Was macht sie so gefährlich?, Der Allgemeinarzt, 2015 (Link)
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